Scheiße, bin ich gut! | juuli

Uwe Schloen: Scheiße bin ich gut

Seit dem 1.1.2013 finden Sie hier Uwe Schloens Künstlerroman "Scheiße, bin ich gut" in täglicher Dosis.
Das Buch erschien am 31.12.2012 bei amazon als ebook.

Juli

Verabschiedete mich mit schüchternen Kuss von Liina. Sie sah mir mit großen Augen hinterher. Ich hab sie nicht verstanden. Sie mich?

Trinke am Fluss. Lonely wolf. Bullshit. Überall lauern Klischees. Ist man mit einem fertig, wartet das Nächste an der Ecke.

Brief an Meese geschrieben und ihm endlich gesagt, was ich von seiner Kunst halte.

Sie ist meinen Anfängen nahe, entwickelt sich aber nicht weiter. Politik, Religion etc mit Porno und Hardcore zu kreuzen ist billig und vor allem nicht neu. Punk und Trashkunst machen dies seit Jahren. Seine Installationen sind ok, aber die aus der Tube gedrückten Bilder sind nichts, außer teuer.

Im billigen Hostel am Bahnhof genächtigt. Wirre Träume, Opiumentzug.

Estland, Nationalepos: ÖÖ,
Öötöö,
Nii, mare tralalla       (nii= also)

Nationalvogel: Schwalbe
Nationalblume: Kornblume
Nationalstein: estnischer Marmor
Nationalgericht: Haferschleim
Nationalauto: BMW
Nationalcharakter: schweigsam, nach Genuss von 500gr Wodka laut

Juri: You have problems with your balls?

Ich: No! My problem is, I want too much.

Juri: I have! You must start to smoke again, then you want no more.

Ich: Ok, I will buy cigarettes this night.

 

Abends Liina in einem pastellfarbigen Blumenkleid gesehen. Ertrug ihren schönen, gesunden, reinen Anblick nicht. Weggegangen, fühlte mich fett, unansehnlich, dreckig. Kaufte Zigaretten.

Spannungen im Hause Juris. Nichts wie weg.

Frau: Tu dies, tu das.

Er: Ich muss los, hierhin, dahin. Ein Klassiker.

An einem Stück Steilküste entlang, wo die Leute gern mal mit dem Auto runterrasen, zwecks Tötung ihrer selbst. Weiter nach Tallinn. Kumu, das Kunstmuseum Estlands.
Hingeworfene Zeichnungen, viel Porno von Paul McCarthy. Einige gute junge Esten, Kiwa und M. Maekaim, skurrile, witzige Fotos und Klein-Installationen. Jaan Toomik nervt mich mittlerweile mit seinen pathetischen Videos.

Wäre gern in der Stadt geblieben, aber es ging zurück. Vorbei an Samstagabend-Grilli-Kioski = tiefe Dekolletees und betrunkene Stiernacken. Woher haben die eigentlich alle ihre schwarzen BMWs? Like Baselitz or Gerhard Richter. I’m also very famos.

Ausflug mit Kaire. Einen Maler besucht in seinem Waldatelier. Weiter ins Museum für naive Kunst in Viljandi. Teils herrliche Arbeiten (Alexander Lobanow). Folkfestival, die ganze Stadt auf den Beinen, aber Bratsche, Fiedel und Akkordeon sind unerträglich, vorausgesetzt die Musiker sind nicht total schräg drauf. Hier waren nur die normal schrägen. Und das geht gar nicht. Gekleidet in Jutesack artige Gewänder …

Weiter zu Juri westlich von Tallinn. Seine Frau gab sich Mühe eine Gastgeberin zu sein, Juri war total betrunken. Fachbereichsleiter für Skulptur an der Akademie in Tallinn, witziger Kerl, der einige schöne Arbeiten gemacht hat. Der Abend war weniger schön.

SMS von Liina.

Manche Ideen setzen sich durch, weil sie anschaulicher sind als andere. Nicht unbedingt besser. Gehört der Kommunismus auch dazu? Christentum?

Sonnenschein und plötzlich steht auch Liina im Eingang der Haltestelle. Geht doch.

„Sie litten alle unter der Angst, keine Zeit für alles zu haben, und wussten nicht, dass keine Zeit haben nichts anderes heißt, als keine Zeit für alles zu haben.“ (R. Musil - Mann ohne Eigenschaften)

Bill Drummond von KLF, der mit dem Geld verbrennen, hat auch schon mal eine Performance in Pöltsamaa gemacht. Er sähe aber nicht so gut aus wie ich, meinte Liina.

MMMAH!

Einmal im Jahr läuft in dem alten Kino ein Film. Also gingen wir hin. Fummeln, wie mit 16, dazu ein Kriegsfilm in schwarz-weiß.

ÜÖ = finnisch für Nacht.

Den Tag über mit Jewgeni im Beton rumgewühlt. Gen Abend war das Äußere der Haltestelle fertig. Ohne Jevgeni würde ich wahrscheinlich immer noch mit Kaire streiten, welches der richtige Beton ist. Er ist Russe, was keine komfortable Situation in Estland ist. Seine Eltern sind gestorben. Er ist 25 und seit vier Jahren verheiratet und was seine Kunst anbelangt radikal und konsequent. Sehr belesen, hat einen guten Witz und eine gute Beobachtungsgabe.

Sehr angenehmer Zeitgenosse und wohl eine Begegnung fürs Leben. Hat demnächst eine Ausstellung in Paris und eigentlich kann es nicht lange dauern bis er für Estland nach Venedig zur Biennale fährt. Da bin ich dann aber dabei, Heilandzack!

Anruf von Tracy, sie will noch mehr Geld. Wer will das nicht.

Entdeckung des Abends: Im Boden einer LeCoq-Bierflasche ist eine Art Schraubenschlüssel aus Glas eingegossen. Damit lässt sich selbst im fortgeschrittenen Rauschstadium die nächste Flasche öffnen. Genial, der Este! Ähnlich gut wie die Nacktfotos unter den Bieretiketten in Litauen. Rubbelt man eh ab. Wo ist eigentlich Liina?

Grauer Tag, graue Gesichter, graues Hirn. Will und kann das ganze Elend um mich herum nicht mehr sehen. Innere Leere, eine einzige Wüstenei. Und keine Liina, die die Leere füllt oder Farbe in das Treiben bringt. Sie hat tatsächlich ein Leben neben meinem, unglaublich, diese Jugend.

Wenn nichts passiert, macht man am meisten mit.

Mit der Haltestelle geht auch nichts, Beton zu grob, kann nicht halten.

ÖÖ = estnisch für Nacht
Öötöö = Nachtarbeit
Ölu = Bier

Diskussion über Andy Warhol: Pop oder Konzeptkünstler. Wahrscheinlich beides.

Abends wieder vorm Zimmerfenster, Aquarellkasten, Vino, Schreibkram und so in den Geburtstag gleiten. Aquarellbier, Schreibwein.

Der Tag begann mit Verwirrung, undurchsichtige Träume, keine Lust aufzustehen. Dazu Rote-Beete-Frikadelle. In der Liebe ist es wie im „Zauberberg“, die ersten Wochen füllen das halbe Buch, die restlichen Jahre die andere Hälfte. Liina heute nicht getroffen.

Die Geschichte von Ethel und ihrem Mann:

Er wollte immer eine Frau, die zu Hause bleibt und kocht. Sie blieb nie zu Hause und kochte auch nicht. Irgendwann geht ihr Mann mit einer jungen Köchin weg. Die Jüngere entdeckt bald, dass sie nicht nur kochen soll, sondern auch zu Hause bleiben. Worauf sie zu ihrem alten Freund zurückkehrt. Ethels Mann lebt allein, jahraus, jahrein. Irgendwann kommt er nicht zur Arbeit, nach zwei Tagen beginnt die Suche. Ethels Sohn findet ihn bewusstlos in seiner Wohnung Schlaganfall, zu lange im Koma. Ethel nimmt ihn wieder auf und pflegt ihn seit zwei Jahren. Die Rache der Enterbten.

Großes Gedränge auf einer dieser asphaltierten Flächen. Markt. Allerdings der gleiche Müll wie bei uns. Und Felle. Aber bei dieser Hitze. Und Liina wird schon 10 Stück haben.

Da kein Blei aufzutreiben ist, Beton für die Verkleidung der Haltestelle gekauft.
Verkleidung? Sagt man so? Bin mir nicht sicher …

Männer unterstreichen ihre dümmliche Holzfällerausstrahlung noch durch Badelatschen und Shorts. Die Frauen hingegen sehr apart, zumindest wenn man auf den Dolly-Buster-Typ steht.

Es ist sehr spät, wenn sich alles dreht.

Der Tag begann mit einem Teller kleiner Fische.

Holzkonstruktion der Haltestelle steht. Abends mit Liina im Strandbad, Richtfest.
Bevor das Bewusstsein zu wenig Beschäftigung hatte, kam sie an der Haltestelle vorbei.
Braun gebrannt und mit einer verwegenen Hochfrisur. Habe noch nie meiner Jugend nachgetrauert, war immer in der Gegenwart. Dies hat sich heute geändert. Liinas unbekümmerte Fröhlichkeit, dieser Körper, der aus allen Nähten zu platzen scheint …

Ich bin alt. Glücklicherweise ist der Osten skurril und sinnlos. So lässt es sich leben.

Hätte das Leben einen Sinn, würd ich mir die Kugel geben. Das wär ja nicht zum Aushalten.

 

Er torkelt über den Parkplatz, ständig fällt ihm sein Handy runter. Er sucht sein Auto. Geht zu einem, aber das scheint nichts seins zu sein. Erstmal einen Schluck aus der Wodkaflasche, noch eine Kippe. Er hat seine Kumpels ausgemacht, noch eine Kippe. Alle ins Auto. Sie fahren ohne ihn los. Bemerken ihren Irrtum, lachen, laden ihn ein und zuckeln vom Parkplatz einem unbekannten Schicksal entgegen.

 

Später mit Liina im Pub.

Kater, Wetter dramatisch und nur schleppende Fortschritte. Der Weg ist das Ziel. Also von Clubi zu Clubi, von Pubi zu Pubi.

Gespräch mit Esten: die Russen seien feine Menschen. In St. Petersburg oder Moskau. Aber doch nicht hier in Land. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Dass Harley-Fahrer nicht gerade den tiefen Teller erfunden haben, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Aber dass ihnen nichts Besseres einfällt als ihre Maschinen auf dem Parkplatz mit Toilettenpapier abzuwischen, rückt sie gefährlich in die Nähe von Camping-Muttis.

Holz für den Bau der Haltestelle wurde geliefert.

Sitze im Pub "Zu Den Verrückten Frauen" und spreche mit der rechten Brust der Barfrau. Allgemeines, über dies und das, und dass es ein schöner Platz für ein Rosentattoo ist.
Ansonsten fehlten die verrückten Frauen. Immer wieder wunderbar wie sich die Wahrnehmung mit zunehmender Trunkenheit verändert. Aus dem hässlichen Entlein wird ein langbeiniger Flamingo.

Weitläufiger Ort, skandinavisch, aber die Ostvariante. Holzhäuser vor Plattenbauten aus den 60igern. Weite, leere asphaltierte Flächen. Kreisverkehr mit Rosenrondell. Der Este und sein Hang zur Blume. Naturmystiker. Das Schloss, wichtiger Platz für die Esten, ziemlich zerfallen.

Dort ist auch die Galerie. Davor kommt die Haltestelle. Hat alles seinen Charme. Aber wenn man nichts zu tun hat, der ödeste Ort.

Der Este trinkt auch tagsüber gern mal ein Bier. Selber Vorräte angelegt. Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Flaschen werfen.

Frauen mit üppigen Brüsten und wurstpellenartigen Leggins, kahlgeschorene Männer mit Tattoos in älteren BMWs. Vom Feinsten, wie überall.

Nach Stunden eine Telefonkarte aufgetrieben. Die Frau auf dem Postamt sagte, die letzte Telefonzelle sei vergangenes Jahr demoliert worden. Alle haben Handy, und Bier in der Hand. Die, die kein Bier haben, telefonieren auch nicht. Oder umgekehrt.

Mich im ölu vergriffen, habe das 10%ige genommen.

Flug nach Tallinn. Dralle Frau, Mitte Vierzig, dreht sich zu mir, presst mir quasi ihre Brüste unter das Kinn und sagt: So vergeht die Zeit!
Ich: Sie wird auf jeden Fall vergehen.
Sie: Ja, aber nicht so schnell.

Gebe ihr meine Visitenkarte und schweige bis zur Landung. Flughafen Riga. Plötzliche Erkenntnis, dass ich nicht unsterblich bin. Den Frauen nicht mehr nachgucken kann, nicht mehr rumsitzen und in der Nase popeln, keine kleinen Skizzen und Notizen mehr. Schluss, aus, vorbei. Es heißt der Tod hat seine mächtigste Stunde um 5 Uhr morgens. Gut, dass ich die immer verschlafe.

Erfolg macht sexy. Und sexy will jeder sein. Noch besser ist natürlich internationaler Erfolg, der macht international sexy. Erst der internationale Erfolg hat was wirklich Verruchtes. Da bin ich natürlich dabei.

Sonne in Tallinn. Mit dem Bus nach Pöltsamaa. Dort holte mich Ethel, die Leiterin der Kunstschule ab. Sehr blond, sehr fröhlich. Hat Gelder aufgetrieben, damit ich die Haltestelle bauen kann. Die Endstation. Guter Platz dafür. Abends Wodka.

Jevgeni ist zurück aus Moskau. Dann kann nichts mehr schief gehen. Sachen gepackt und Aufbruch. Am Hauptbahnhof rumgesessen. Die anderen Gestrandeten, völlig zugedröhnt, versoffen, zahnlos. Daneben Paare im Straßencafe, die sich nichts mehr zu sagen haben, aber Mengen an Essen zurückgehen lassen. Ein graugesichtiger Alter mit Ramones T-Shirt: Hey, Ho, let's go! Schwarze Sheriffs. Runter von der Couch, rein in die Metropole.

20% auf alles, außer Tiernahrung.

Leere Brieftasche gefunden. Einzelne Details dieses Fundes, die entweder zu entsetzlich oder zu mysteriös waren, ermüdeten mich dermaßen, dass ich mich entschloss, erst am nächsten Tag das Studium der Brieftasche fortzusetzen. Nachdem ich also die Lampe gelöscht hatte, begab ich mich ins Bett.

Treue führt in den Abgrund, Untreue ins Nichts. Lange mit Tracy diskutiert, was besser ist.

Sie meinte das Nichts, ich tendierte Richtung Abgrund. Im Grunde sollte man beides vermeiden. Tracy hat LSD aus London mitgebracht. Erst Pink Floyd gehört, dann nackt durch die Straßen gelaufen. Karneval im Feierabendverkehr. Haben Farbe über uns überkippt und uns auf Leinwänden gewälzt. Wie immer nach einem Trip hatte ich viele Ideen, was ich machen sollte. Lange geschlafen.

Es regnet immer noch, ich habe Hunger nach Licht wie nach Brot und ich kann mich nicht mehr ausstehen. Fange schon an zu schimmeln. Meese liegt noch bei mir auf dem Sofa.

Modriger Geruch. Arschgrau.

Heute nicht einfach irgendetwas getan, sondern nur rumgesessen.
Später kam Meese dazu. Es kam zu Situationen.

Ich verstehe Menschen nicht, die sich extrem verändern, wenn sie was getrunken haben.

Wann habe ich mich eigentlich erfunden? Oder waren es andere. Mitgebastelt haben viele.

Wollte ich tatsächlich die Figur sein, die ich heute bin?

Ich hätte am Anfang daran denken sollen, dass ich berühmt und reich werden will, aber als in den 70igern sozialisierter, reichte mir die Vorstellung, irgendwie von der Kunst leben zu können. Falsche Zielvorgabe und dann noch vom Weg abgekommen.

Meese davon erzählt, der wollte sich schier schlapp lachen. Danach müde und lustlos.

Einen Meter neben mit gestanden, aber die Sicht von außen brachte keine neuen Erkenntnisse.

Einfach nur daneben.

Zur Installation „flüchtig“:

Die Installation ist einem Foto nachgestellt, welches ich in Odessa aufgenommen habe.

Das Leben ist eine Baustelle. Hinzu kommen Koffer, Silikon und die Komposition „flüchtig hingemachte Männer“ von Gerald Futscher. Die Koffer stehen für Aufbruch, ruheloses Leben und dafür, etwas Verschlossenes mit sich zu tragen.

Man weiß nicht genau, haben die Menschen die Baustelle verlassen. Kehren sie zurück? Oder was ist passiert? Flüchtig?

Unfertiges als das Interessante, Fertiges ist langweilig.

Glücklich wer die Welt aufgegeben hat, ehe die Welt ihn selbst aufgab.

Ein runder Mensch passt nicht ohne weiteres in ein eckiges Loch. Man muss ihm Zeit lassen, sein Format zu ändern. (Mark Twain)

Totes Wildschwein an der Bushaltestelle. Unglaublich, dass alles mal ein Ende hat. Keine Bundesliga mehr. Keine Reisen. Keine Bücher. Keine Olga, Lola, Tracy oder sonst wen. Kein Alkohol, keine Drogen, grande niente.

Aber irgendwie auch tröstlich, dass das ganze Theater irgendwann vorbei ist.

Zu Olga in den Club, um diese Thematik mit ihr durchzusprechen.

Olga meinte, dass sei ihr zu doof und schickte mich zu Nadeschda. Auch gut.

Lege mich ans Schilfufer, Mohnblumen, ein Zweimaster segelt vorbei. Lese die Neuübersetzung von Huck - Finn. Ideal, kein Materialverbrauch, großer Gewinn, geringer Transport und keine Lagerkosten.

Danach die Bar auf dem Meeresboden.

Ribery will die Bayern verlassen, und ich könnte auch ständig in Urlaub fahren.

30 Grad und Bienenstich im Cafe Biedenweg.

Absinth auf Eis, später Opium. Entgegen anderslautenden Berichten macht mich Opium nicht müde, sondern aufmerksamer. Ich sehe das Korsett und die Krampfadern der Kellnerin. Bin kaum noch fähig zu bestellen. Alles ist pink, von bläulichen Fäden durchzogen, ins Orange lappend.

Vergletscherung = einfrieren, erkalten, verhärten

Meine Figuren/Skulpturen in den Installationen stehen, sitzen, knien, meist ohne Arme, isoliert. Vergletscherte Situationen. Dazu das Material Silikon, es steht für Distanz (Badezimmer, Abdichtung) und Vorspiegelung falscher Tatsachen (Schönheitschirurgie).

Dieses zeitgemäße Material auf dem alten Werkstoff Holz = wir sind in der Gegenwart angekommen, ohne genau zu wissen, was wir hier wollen. Wir stehen dumm in der Gegend rum, und genau dieser Zustand interessiert mich. Das Schräge, Paradoxe daran. Ein wunderlicher Zustand, nicht nur mit Ironie betrachtet. Stupor mundi.

Was wird nicht alles veranstaltet um nicht dumm-rum-zustehen. Man wirft sich kopflos in das allgemeine Rattenrennen mit all seinen materiellen Ansprüchen, anstatt ruhig zu atmen, zu gucken, zu staunen, zu denken und immer wieder an den eigenen Ansprüchen zu scheitern.

„Künstler sein heißt scheitern, wie kein anderer zu scheitern wagt.“ (S. Beckett)

Auch einfach mal eine Vergletscherung auf sich beruhen lassen, man weiß ja, hinter der Ecke lauert die nächste, und dafür braucht man wieder seine ganze Kraft.

Apropos, Tracy will noch mehr Geld. Lasse es erstmal auf sich beruhen.

Stehe ratlos neben mir und anderen. Pinkele auf eine Ansammlung Schnecken.
Sie fahren ihre Fühler aus.

Abends über die Felder geblickt, ein Wildschwein hoppelt vorbei.

Selbst in der Einöde voller Eitelkeit: Schöne Kleidung, schlanke Frauen, Eroberungen, Ruhmsucht.

Was ist eigentlich mit der Bayern-Krise?

Mach es wie das Wildschwein, hoppel einfach weiter.

Rationell eingerichtetes Bordell. An der Rezeption gutangezogene Frau, könnte überall arbeiten. Halbdunkles Nebenzimmer in dem sich die Mädchen gelangweilt räkeln. Schwer ist die Mädchen dort genauer anzusehen, weil sie zu viele sind, mit den Augen blinzeln und zu nahe stehen. Man müsste die Augen aufreißen und dazu gehört Übung. In der Erinnerung nur die, die gerade vor mir stand. Sie hatte lückenhafte Zähne, streckte sich, hielt mit der über der Scham geballten Faust ihr Kleid zusammen und öffnete und schloss gleich und schnell die großen Augen, den großen Mund. Ihr blondes Haar schien zerrauft, sie war mager.

Unmöglich mir vorzustellen wie ich auf die Gasse kam, so rasch war es.

Einsamer, langer sinnloser Nachhauseweg.

Alles ist eine Nummer zu groß für mich, für die Menschen. Die Liebe, der Tod, Vertrauen, die Kunst. Kaum hat man sich bemüht, ist das Leben schon vorbei.

Sehr warm und stickig.

Muss unbedingt mein Testament machen.

Unordnung ist wahrscheinlicher als Ordnung, da kann man noch soviel putzen, scheuern
und rumräumen.

Morgens fühlte ich mich, trotz Kater, wie der Größte.

Ab nachmittags Zweifel. Abends war der Bierschaum, der an meinem Glas klebte, mehr wert als ich. Tiefe Vergletscherung.

Die famosen Pistepirkko im Konzert gesehen. Der Finne an und für sich bringt es. Eventuell sollte ich doch meinen Freundeskreis wechseln. Weiterer Vorteil: ich verstehe kein Wort.

In der Flamingo-Bar versackt, Mona machte meine Gin Tonics halbe halbe und guckte mir solange in die Augen bis ich sie doppelt sah.

Tiefer, komaartiger Schlaf.

News


Schloen Infos

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Petra Fiebig + Uwe Schloen: Gemeinschaftsausstellung "Blei und Bleistift" im Till-Richter-Museum Buddenhagen
Installation in der Jakobikirche Hamburg

4.9. -8.9. 2017

workshop in Zusammenarbeit mit Carola Gottschalk

Kunstverein Göttingen
Workshop zum Thema "Fremd" an der Montessori-Schule / Hort der Montessori-Vereinigung Nürnberger Land e.V. in Lauf bei Nürnberg.
Link: http://hort.monte-blog.de/blog/
6.8. bis 15.9. 2017
Galerie am Stall, Hude
Neue Bleiarbeiten Galerie am Stall, Am Ebenesch 4, 27798 Hude
20.6. -4.7.2017
Workshop mit estnischen Künstlern
im Kunsthaus am Schüberg, Ammersbek bei HH

Weitere Informationen dazu unter diesem Link:

Kunsthaus am Schüberg Kunsthaus am Schüberg, Ammersbek bei HH
18.5. bis "Ende offen"

Strassen, Luxembourg (Skulpturen) Luxembourg
19.4. - 7.5. 2017

Noorus Gallery, Tartu, Estland (Juri Wedro) Tartu, Estland

Ausstellung mit S.Wywiorski in Krakau (Pl)

Krakau, Polen

Endveranstaltung "Dixi-Vitrine"

Dixi Show in der Galerie KDKunst, Wallhöfen und Pavel Schmidt(CH) in der Dixi-Vitrine

Galerie KDKunst, Wallhöfen