Giardino Daniel Spoerri, Seggiano
Tritt man aus dem hellen Tageslicht in die dunklen Höhlenräume, ist man primär auf die Erfahrung der Sinne angewiesen und spürt die Bedeutung mehr, als daß man sie begreifen muß. Man fühlt sich wie im Inneren von Katakomben oder Krypten, wie in einem Tempel, der nicht dem Kult eines übergeordneten Äußeren dient, sondern der Kultivierung der eigenen Sinne. Man hört, fühlt und sieht und richtet die Aufmerksamkeit auf das Innere, auch auf das Innere der eigenen Wahrnehmung. Die Bunkerbauten sind Schutzbauten für die Substanz von Leben und geistige Räume für die Imagination. Als Monument unserer Entfremdung von den Lebensgrundlagen bewahren sie Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft.
Je verwissenschaftlichter, je technisierter die Welt wird, desto dringender scheint es notwendig, über die Vernunft hinaus wieder zu den elementaren Bedingungen von Welt zu finden, die Empfindungen für die substanziellen Werte zu sensibilisieren. Wie schon mit seinen Figuren-Installationen, die sowohl Horrorszenarien der Vergangenheit wie auch der Zukunft sein könnten, erzählt Schloen auch mit dem Bunkerdorf einen Mythos weiter und hält ihn am Leben: wir nehmen uns darin wahr. Denn wie sehr seine Installationen auch privaten Phantasmagorien entsprungen zu sein scheinen, erfüllen sie den Anspruch allgemeiner Verständlichkeit über das Individuelle hinaus.
Die Bunker tradieren den Mythos der Elemente und reduzieren die Welt auf das, "was sie im Innersten zusammenhält". Wasser, Feuer, Luft und Erde, sie werden vergeudet, mißbraucht, verschmutzt und verpestet. Doch Platons Weg der Erkenntnis, auf den der Erdbunker anspielt, ist steinig. Wird er verfehlt, könnten die Bunker eine Arche für die Erhaltung der grundlegenden Lebensbedingungen sein, ein Rückzug auf die Ursprünge der Welt und eine Keimzelle für Erneuerung. Rettungsmaßnahme statt Endzeitvision.
(Ines Kohl, Kunsthistorikerin)