Scheiße, bin ich gut! | Januar

Uwe Schloen: Scheiße bin ich gut

Seit dem 1.1.2013 finden Sie hier Uwe Schloens Künstlerroman "Scheiße, bin ich gut" in täglicher Dosis.
Das Buch erschien am 31.12.2012 bei amazon als ebook.

Januar

Großes Erstaunen vor den Dingen, stupor mundi.

Nach Prag gefahren, um mit Gregor Schneider und Sophie Calle einige Bierchen zu lenzen.

Erzählen schöne Geschichten die zwei, nur über Arbeit wenig. Gregor ein wenig verhuscht, Sophie eher die Nette.

Über schneebedeckte Hügel zurück in die Pension Chalupka. Erst violette Nebel, dann tiefer Schlaf.

Vermisse Lola.

Holz frisst man nicht, und basta. Mehr sage ich nicht zu diesem blöden, abartigen Thema.

An den Paula-Bildern weitergemalt. Große, leicht surreale Formen auf pastellgelben Hintergrund. Darunter Sprüche, die knapp am Thema vorbeigehen, aber nur haarscharf.

Die Kunst droht genau in dem Moment uninteressant für Manager und Unternehmer zu werden, in dem sie sich selbst auf Wirtschaft bezieht und den homo oeconomicus zum Vorbild wählt.

Also völlig heiter immer weiter. Abends Opium und mit Lola ins „Ausgeschossene Auge“.

Der kleine Kakerlak

Beobachtete lange eine kleine Kakerlake. Nannte ihn Norbert. Hatte ihn mit einer Stecknadel auf meinem grünen Filz fixiert. Putzig wehrte er sich gegen den nahenden Tod,
aber gegen Abend wurden seine Bewegungen langsamer
So wird es mir auch irgendwann ergehen. Norbert gehe vor, ich komme nach.

Draußen Nebel und Raureif, die alten Obstbäume schauten mich finster an.

Viel grau im Kopf und immer noch grüngelbes.

Aber daran möchte ich mich jetzt nicht im Detail erinnern, weil ich mir die Laune nicht verderben will, die sowieso schon ziemlich Scheiße ist, und da werde ich sie mir nicht aus Jux und Tollerei noch mehr versauen, das wäre ja haarscharf daneben.

Wartete Stunden auf die Modelle aus Polen. Ludmilla, Warka und Elena hatte ich geordert, wollte vergleichende Skizzen ihrer Schenkel machen. Dazu Rotwein. Sie wollten eingelegte Gurken mitbringen, und hinterher als Absacker eine Flasche Wodka. So war der Plan, aber sie ließen mich im Stich, sie hätten kurzfristig ein besseres Angebot erhalten. Noch besser?
Da lachen ja die Hühner.

Als Ersatz kamen die Kohlenmänner. Und wenn ich sage Kohlenmänner, dann meine ich auch Kohlenmänner. Dick, schwarz, verschmiert, der eine von Geburt an entstellt,
der andere erst seit gestern. Das Gesicht total verschorft. Stumpf auf den Asphalt geknallt, wie er freimütig zugab.

Ich fing zielgerichtet an Wein zu trinken, wollte es dem Kohlenmann gleichtun, die Absage der Mädels hatte meine Selbsteinschätzung ins Nirvana lappen lassen. Und die Nationalgalerie rief auch nicht an … Jetzt, wo ich über die notwendigen Mittel zum Leben verfüge (Hartz 4), möchte ich nichts mehr arbeiten, weil es doch heutzutage auf der Welt Talente gibt, die in zwei Monaten etwas malen, wofür ich zwei Jahre benötigte, und ich glaube- sofern ich lange genug lebe-, dass man in nicht allzu langer Zeit in der Malerei alles einmal dargestellt sehen wird. Und da diese bewussten Leute so produktiv sind, ist es sogar gut, wenn es einen gibt, der gar nichts macht.

Ich kehre in mich selbst zurück, und was finde ich dort?
Ein weites leeres Feld, kurz vorm Horizont ein Gatter und zwei Strohballen.
Ein schmieriges Wesen, einem Meese nicht unähnlich, nur kleiner und tatsächlich noch ein wenig schmieriger, kam über das Feld gehüpft und rief:
Die Kunst ist verführerisch, verbotene Frucht, wer einmal ihren innersten, süßesten Saft geschmeckt hat, der ist unwiederbringlich verloren für die tätige, lebendige Welt. Immer enger krieche ich in meinen selbsteigenen Genuss hinein, und meine Hand verliert ganz die Kraft, sich einem Nebenmenschen wirkend entgegen zustrecken.

Im Gegensatz zu gestern heute einen schlichten, einfachen Blick auf das Treiben der Menschen. Humorig, gutartig und leicht surreal, ist es doch eh wurscht was wir machen, Hauptsache wir machen es mit Herz und Einsatz, das Scheitern ist vorprogrammiert.

Alles andere vergeht.

Bild von einem Leipziger Schüler gesehen (Wahrscheinlich verhält es sich bei der L.S. ähnlich wie damals bei den Russland-Deutschen. Hatten sie vor Jahren einen deutschen Schäferhund, stand der Rückführung ins Reich nichts mehr im Wege.). Sah unangenehm alt aus, das Bild. In dem Bericht hieß es, die Bilder seien mehrdeutig, innere Spannung und Kampf würden gezeigt. So eine billige Variante Tiefsinn in Banales zu stopfen, ich kann es nicht mehr hören. Arschkrampen, alles mal ein wenig niedriger hängen.        Zwei Tänzer mit Fächern, Masken vorm Gesicht, ornamentartiger Hintergrund. Heilige Scheiße, eine Mehrdeutigkeit für amerikanische Hausfrauen, die Paul Coelho lesen und nun meinen sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Innerer Kampf auf dem Niveau von: bestelle ich mir nochn Donut oder nicht.
Und dass dieser Müll noch verkauft wird … also bitte.

Dass man sich aber auch immer so echauffieren muss. Elvira, wo sind meine Tropfen?
Denn das, was jetzt da ist, scheint gleichgültig zu sein, es nützt weder was noch tut es besonders weh. Aber zu dem was nicht da ist, aber da sein könnte, hab ich, emotional gesehen, eine hervorragende persönliche Beziehung. Zu Zigaretten zum Beispiel oder zu einem Fläschchen Wein oder Bier.

Persönliche Beziehungen müssen gepflegt werden. Das ist Arbeit.

Heute gibt es zu allem Käse, ich belege kalten Käse mit warmen Käse. Ich bin im Käsehimmel, will aber rüber in den Rotweinhimmel.
Dort könnte ich alles in Grund und Boden schlafen.

Auf dem Sofa gelegen und mich durch Kants „Kritik der reinen Vernunft“ gewühlt.
Ich kann dem nur zustimmen, teilweise herzlich gelacht.

Den ganzen Tag ziemlich lüstern. Der Mensch lebt in Möglichkeiten. Wirklichkeit konstituiert sich in einem Horizont von Möglichkeiten. Das ist Freiheit.

Keine Möglichkeit mehr gehabt.

Geträumt ich sei ein ehemaliger Ranger, der in einem brennenden Gebäude ganz allein die Mafia plattmacht, die meine Frau festhält, an die eine Bombe angeschlossen ist, und wenn sie sich bewegt fliegt alles in die Luft, und ich knalle die Typen mit dem Maschinengewehr ab, und sie treffen mich nicht, weil sie Weicheier sind, obwohl sie aussehen wie Schränke, ich entschärfe die Bombe und flüchte, alles explodiert, die Bude geht hoch, und wir küssen uns.

So einer war ich.

Ansonsten allgemeines Torkeln zwischen Abwrackprämie und notleidenden Banken.

Um es endlich einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

Wieder zu den Huren, Mensch ärgere dich nicht spielen.

Wen die Götter strafen wollen, dem schicken sie ein „wenig“ Talent. Damit hat man sein Leben lang zu tun und schafft es doch nicht. Es sei denn man ist skrupellos, sich für nichts zu dumm und heißt Jonathan. So sehr Jonathan, dass man ständig seine Mutter mit sich schleppen muss. Und die Tischmuschi. Man kann es auch clever nennen, besser wird’s dadurch auch nicht.

Podolski: Ich bin nicht gescheitert.

Der Rotz läuft aus der Nase. Wundere mich immer wieder wo das ganze Zeugs herkommt.

Abends so benommen, dass ich sicher bin, es war auch Hirn dabei …

Alles ist grau und öde, als würde es in meinem Kopf ständig regnen oder als würde Schnee schmelzen und sich mit dem Rollsplitt vermischen, den das Streufahrzeug gerade erst hingeschüttet hat, ein einziger Schlamm ohne Farbe, ohne alles, in dem der Mensch sich auflöst, in dem man untergeht und sich an nichts festhalten kann.

Codein in Krankenhausmengen

Neblig trüb, ähnlich wie meine Gemengelage. In meinem Ruinenatelier drei Grad unter Null.
Abstand von dem ganzen Künstlergehabe und Bohei. Ich ziehe es vor es lieber nicht zu tun.

Metaphern sind (ähnlich wie Zitate) immaterielle Statussymbole, Tauschgüter par excellence, und auf sie gründet sich eine Ökonomie des intellektuellen Lebens, was Nietzsche schon imaginierte, als er sie mit Münzen verglich.

Wo sitzt der Zahlmeister?

Es wird was geschehen, irgendwann eines fernen Tages wird der Umbau der Website beendet sein. 2023 ist grob angepeilt.

Ich fühle Farben- zu sagen, dass ich sie sehe, wäre falsch- ich fühle sie um mich herum, eine phantastische Helligkeit, die in mir sprudelt: Rot und Gelb und Blau in allen Tönen und Stärken. Ich halte die Luft an und spüre, dass ich in einem Becken von Orange ertrinke. Oder stecken in meinem Becken Orangen?

Autobahn, Parallelwelt in der vierten Dimension, vor allem auf der A 20 Richtung Osten.
Earl Grey und ein Nuts an der Raststätte.


Verwunderlich, dass nicht mehr schief geht, nicht nur in der Parallelwelt, sondern allgemein im täglichen Rattenrennen. Dass nicht mehr Flugzeuge vom Himmel fallen, Kräne um- Häuser einstürzen, Leute umgebracht werden oder sich gegenseitig auf die Nase hauen, Amok laufen, Ehen zerbrechen usw. Es sind doch Menschen, die das ganze hier veranstalten, und zwar 6,75 Milliarden. Bei der Menge relativiert sich das mit dem berühmt sein, da kann man froh sein, dass man einen Namen hat und den auch aussprechen kann, es hätte wahrlich schlimmer kommen können.

Abends in den Club, Opium.

Alles lappt leicht ins pastellig violette.
Wieder mehr um Großprojekte kümmern, ohne Bleihüttenbau ist man nur ein halber Mensch.
Irgendwann muss jeder dran glauben. Das kann man sich an den Fingern einer Hand abzählen.
Das ist nichts Neues. Rumsitzen und darauf warten müssen, dass ist das Problem.

Die Begriffe Dualität und Ambivalenz verwirren mich heut mehr als gestern, Hirnschwurbel.

Muss rechts ranfahren und Nickerchen machen.
Lange nichts von den anderen gehört. Treiben sich in New York rum.

Gegensätze ziehen sich an, sagen die Leute, aber das bedeutet nicht, dass Frauen im Allgemeinen so scharf darauf sind, das Bett mit einem Frosch zu teilen.

Weiter auf den einen, den großen Käufer gewartet und dabei gezeichnet:

Eigentlich bin ich ganz anders, komme nur so selten dazu.

Das ist ein weites Feld (sehr einfache Zeichnung).

Komm auf die Schaukel, Luise.

Oh, oh, oh!

Wenn man sich zwischen zwei Scheißhaufen den kleineren aussucht, heißt das nicht, dass man eine gute Wahl getroffen hat.

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter und andere berühmte Zeichnungen.

 

Man muss die Realität nicht so sehen, wie ich vorgestern Abend.

Morgens kotzübel, abends den Kopf gehalten.
Morgens schwer, später auch nicht leichter.
Morgens leise, abends laut.

Alles stimmte wehmütig und traurig…Man fühlt sich ja auch immer unpassend in dem albernen Kostüm seiner selbst. Es wäre alles besser, wenn einem öfter Männer in Hasenkostümen begegneten.

80% derjenigen, die bei mir kaufen, sind Frauen unter 40.
Sie kaufen und gehen wieder.

Handpressenmesse in Hamburg. Schwieriges Terrain für mich, da die meisten wegen schönen, gut gearbeiteten Büchern kommen. Damit kann ich nur bedingt dienen.

Einen Rausch angetrunken, dass es eine Art hatte.

 

„Denkst du, ich brauche unbedingt einen großen Maler?“
„Nein, brauchst du nicht. Ein guter Klempner würde es auch tun.“

Weiter an den Paula- Bildern gemalt, die an Kinderbuchillustrationen erinnern. Da blieb mein Blick an dem aufgespießten Kakerlak hängen. Mit einem mal kam mir mein Tun banal und nichtssagend, ja naiv vor. Jahre hatte ich gebraucht um zu dieser Leichtigkeit zu kommen, jetzt verlangte es mich nach Tiefe, inneren Kampf und der Darstellung des Übels in der Welt.

Mir wurde schummrig, ich musste mich auf das Kanapee darniederlegen. Elfenartige Wesen tanzten um mich rum, leicht bekleidet, sie reichten Wein und Trauben.

Ich fiel in komaartigen Schlaf.

Aufopferung an sich ist nichts Wertvolles; bevor jemand ein Opfer bringt, sollte er sich vernünftigerweise fragen, ob es sich lohnt. Die Tatsache, dass die Menschen so sehr dazu neigen, sich für etwas gänzlich Wertloses aufzuopfern, beweißt jedoch, welches Vergnügen es ihnen bereitet.

Könnte mich für Lola aufopfern, erst im Rausch sah ich, was sie mir bedeutet.

Und diese Tiger-Leggins.

Nach versuchter Einschleimung bei einer Galerie meinen Schneckencorpus auf das Kanapee gezogen und den nächsten Italienaufenthalt geplant.

Im Cafe einen Mann beobachtet, der über und über aus Eiterbeulen bestand und diese ständig aufkratzte. War froh über mein wunderbar geformtes Muttermal am Kinn.
Egal was für Visagen man zeichnet, irgendwann kommen sie einem leibhaftig entgegen.

Wie hässlich die meisten Leute sind! Schade, dass sie es nicht durch Liebenswürdigkeit auszugleichen versuchen.

Das ist die Geschichte:

Frühstück, ein Paket, Gummistiefelfiguren, zweites Frühstück, Weiterarbeiten, die Sorgen und der ganz normale Kinderwahnsinn, Abendessen, Bier.

Das Joch der Saat,
das nächste Jahr wird das der Ente, Ernte. Ernst.

Die Dinge um mich rum schweigen und das ist auch gut so.

Ich habe mich nicht eingehend mit der Frage beschäftigt, aber wenn es zynisch ist, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und sich nicht gegen sie aufzulehnen, falls sie einem nicht zusagt, wenn es zynisch ist, die menschliche Natur hinzunehmen, wie man sie findet, lächelnd, wo sie absurd, und betrübt, wo sie beklagenswert ist, dann bin ich ein Zyniker.
Meese brauch ich das nicht sagen. Und Immendorff hört eh nichts mehr.

Wenn nicht bald Glamour in mein Leben kommt … ja, was dann.
Weiß ich jetzt noch nicht. Abwarten. Weiter arbeiten.

Ein Dienstag des einen Montags war.
Ein November-Montag.
Taubengrau.

Ausuferung der Produktion bei gleichzeitigem Liquiditätsengpass.

Ich kann dieses „wir sollten mal was zusammen machen“ nicht mehr hören.
Hier wird nichts mehr zusammen gemacht, Bussi und tschüß.

Um zu existieren, um nicht zu verschwinden, muss ich meine eigenen Prinzipien aufstellen, meine persönliche Relativitätstheorie, mein eigenes Gesetz der Schwerkraft, das mich auf der Erde hält und nicht in der Leere des Kosmos, im Abgrund des Vergessens untergehen lässt.

Falsche Skulpturen angefangen. Mit den richtigen hat es nicht geklappt.

Alles geopfert für die Kunst. Das Gelb ist in mir, krapplack fließt mir aus dem Arsch.

Kälte, das schmutzige Weiß um mich.

Diverse Projekte verwirren mein Resthirn, Opium.

Keine Lust mehr, Schnauze voll und ihr könnt mich alle mal, aber tot sein?

Lieber Schnaps. Wodka, warum sonst wohn ich im Osten? Klare Sache bei der Kälte.

Muss bald anfangen Installationen zu machen, sonst vernebelt mein Säurehirn vollends.

Und dann noch die Liebe! Madonna!
Die Liebe. Wie kann man nicht an sie denken, wenn doch die Jugend sie allerorten besingt! Wie kann man nicht von ihr träumen, wenn sie doch immer wieder aus dem unerschöpflichen Kelch der seligen Begeisterung und vom phantastischen Azurdunst des Unbekannten gespeist wird. Heilandzack!

Teletubbies, ich liebe sie. Mit Opium- und sonstigem Kater genau das richtige.
Wunderbare Skulpturen und natürlich ist der eine schwul. Glücklicherweise!

Mit den lustigen Gesellen getrunken bis der Arzt kam. Auf die versprochenen rubensartigen Modelle gewartet, schon gedanklich in üppigen Fleischmassen gewälzt, dann doch wieder Strichmännchen gezeichnet. Rosa.

Und dann noch immer der Meese dazwischen, mit Mutter und Tischmuschi.

Wenn ich das im Club dem Immendorff erzähle, der schmeißt glatt sein Koks weg.

Pastellgelb

Mintgrün

Taubengrau

Und sie wissen ja besser als ich, was Wohnungen mit Dachterrasse im Zentrum von Rom mit Blick auf die Kuppel des Pantheon heutzutage kosten und wie reparaturanfällig so ein Jaguar XJ V8 Sovereign ist, den ich wegen der speziellen Sitze schon allein aus orthopädischen Gründen zu fahren gezwungen bin.

Abends Absinth, Opium. Später mit betrunkenen Huren Mensch ärgere dich nicht gespielt.

Selbstzufriedenheit ist das Ende der Kunst.

Heute unzufrieden, aber ob es das gebracht hat?

Irgendwo gelesen: Wer ficken will, muss freundlich sein.
Ist das so? Immer? Ein weites Feld, Louise! Lächele sie freundlich an.
Aber ich bin so unzufrieden.
Louise: Fick dich selber!

Es dem Hund gleich getan und mich in die Pfanne gelegt, sofort verrückt geworden.
Danach den Mond angeheult.

Die Kunst versteht sich als zweckfrei, besitzt anders als etwa Designermobiliar keine konkrete Funktion, ist aber auch nicht mit so viel Spaß und sinnlichem Erleben verbunden wie eine Yacht oder Geliebte. (Siehe oben) Vielmehr verweigert sie sich fast immer traditionellen Vorstellungen von Schönheit, ist spröde, und eher anstrengend als entspannend.

Scheiße, das kommt dabei raus, wenn man nichts Vernünftiges gelernt hat.

Wodka

Kälteste Nacht und ich schlafe im Auto. Kopfschmerzen.

Den ganzen Tag nicht an Gelb gedacht.

Die Herbstbücher habe ich den Winter hindurch gelesen und die Frühjahrsbücher den Sommer hindurch. Also was soll sein? Manchmal ein Buch pro Tag. Oder auch anderthalb. Nicht gerechnet alles andere, meinen Goethe zum Beispiel, meinen Schiller und meinen Kleist. Und Lyrik, natürlich Lyrik war mein täglich Brot.

Traurig wie Bettkissen mit Schlag (Ultramarin), komisch wie überstandene Katastrophen (Kadmiumgelb) und skurril wie das vergangene Leben (Krapplack).

Kaum in Hamburg, fast in eine Schlägerei zwischen Schwarze geraten, obwohl ich rothaarig bin. Frauen kamen auch noch dazu. Bier im „Armen Ritter“, kein Gedanke mehr an ultramarin, eher krapplack, das Bier goldgelb. Die Kellnerin aschfahl, aber ein Dekolletee wie bei Rubens. Sie gefragt, ob ich sie malen kann. Schallendes Gelächter.

Heulend und frierend um die Häuser gezogen, die Frauen in den Hauseingängen fragend angesehen.

In der letzten Kneipe sitze ich unterm Tisch und hisse die fast weiße Fahne (Unterhose).
Der Bestellungskrieg mit dem Kellner hat mich zermürbt. Ok, trinke auch das 12.Bier; wenn es denn der Wahrheitsfindung dient, nehme ich Torkeln und Gehirnschwurbel in Kauf.
Soll doch der Kellner mit den langen Beinen vom Nebentisch flirten.
Ehepaar zum Kellner: wenn sie das Bier da hinstellen, ist es logischer.
Kellner: Schütte ich es ihnen über den Kopf, kann ich mir einen neuen Job suchen.

Wie die Menschen zusammenbrechen, traurig mit dem Bierglas spielen, nervös Dinge verschieben etc., wenn sie allein sind. Dann taucht der Freund auf, die Clique und sie sind wie ausgewechselt, lachen, sind lebendig.

Unglaubliche Szenen spielen sich ab.

Projekt für das Jahr: Mehr in Kneipen sitzen, allein. Trinken und Gucken.

Aus der Geldkrise direkt in die postkoitale Depression. Marmor, Stein und Eisen bricht, warum ich nicht? Wo sind die anderen und was macht eigentlich Freund Meese? Schmiert wieder Gummipuppen schwarz an, um damit zu drucken. Das wird nichts mit dem. Der kann demnächst Taxi fahren.

Farbe des Tages: Indischgelb.

Ein C.D.Friedrich–Sonntag: Einsamer Mann vor grauem Meer.

Pizzaservice, Tatort, danach Opium um einzuschlafen.

Man müsste an sich arbeiten, aber man kommt zu nichts.

Insgesamt weniger arbeiten, mehr verkaufen.

Länger an einer Sache bleiben oder eben wie bisher:

Darüber lachen
Halbe Sachen
Zu machen.

Die Produktion und Präsentation der Bilder in unüberschaubarer Masse fungiert daher auch als vorbeugende Maßnahme gegen ihre Fetischisierung, ja genau, sowieso.

Siehe ehemalige DDR. Abends waren alle betrunken wie zehn Russen.

Keine Frauen dabei, obwohl es zu kompromittierenden Situationen kam.

Am Blau hängen geblieben.

Am meisten bringen die Stücke, die ich von den Holzfiguren absäge. Sie bringen Wärme, der Rest bringt nichts.

Dass man nach 25 Jahren intensiver künstlerischer Arbeit so unbekannt sein kann, ist auch eine Leistung. Ich weigere mich, das Ganze als großen Irrtum zu sehen. Ironie des Lebens.

Wer beklagt, Bilder hätten immer weniger Folgen, hat zu anspruchsvolle Vorstellungen davon, was Bilder leisten können und sollen, setzt gar falsche – überzogene- Hoffnungen auf sie.

Hoffnung ist Mangel an Information.

Ich?
Ich.
Ich!
Gestern blau,
heute grau.
Entkräftung durch Überforderung.
Wieder hingelegt.

Musste mir den Vorwurf der Prostitution anhören, weil ich mit dem Gedanken spiele, mich wegen des schnöden Mammons bei einem unwürdigem Symposium zu bewerben. Unglaublich, woher Leute die Frechheit nehmen, einem so etwas zu unterstellen.
(Und zu wissen meinen, was das Beste für einen ist …).

Dabei ist Prostitution doch ein ehrbares, altes Gewerbe, welches mir immer große Freude bereitet hat.

Man gut, dass hier der Chef kocht. (Das Kind in der Polenta)

Nach diesen sehr schwerwiegenden Vorwürfen wanderte ich den ganzen Abend voller Untätigkeit und Schwermut von einem Zimmer ins andere und glaubte den Verstand zu verlieren. Welche Verzweiflung, welche hoffnungslose, quälende Beklemmung erfüllte mein Herz! Wieder und wieder ging mir der Gedanke nach Opium, ich kam nicht mal von einem ins andere Zimmer. Wut und Empörung schnürten mir die Kehle zu, meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Ich bekam keine Luft mehr in dieser furchtbaren, drückenden Atmosphäre, kaute an den Nägeln, presste die Hände an den Kopf …

Eine Träne verließ meinen ansonsten leeren Schädel …

Ich empfinde es als besonders günstigen Umstand, dass keine Gesellschaft mich so anhaltend befriedigt wie meine eigene.

News


Schloen Infos

Seite 1 von 5   »

Petra Fiebig + Uwe Schloen: Gemeinschaftsausstellung "Blei und Bleistift" im Till-Richter-Museum Buddenhagen
Installation in der Jakobikirche Hamburg

4.9. -8.9. 2017

workshop in Zusammenarbeit mit Carola Gottschalk

Kunstverein Göttingen
Workshop zum Thema "Fremd" an der Montessori-Schule / Hort der Montessori-Vereinigung Nürnberger Land e.V. in Lauf bei Nürnberg.
Link: http://hort.monte-blog.de/blog/
6.8. bis 15.9. 2017
Galerie am Stall, Hude
Neue Bleiarbeiten Galerie am Stall, Am Ebenesch 4, 27798 Hude
20.6. -4.7.2017
Workshop mit estnischen Künstlern
im Kunsthaus am Schüberg, Ammersbek bei HH

Weitere Informationen dazu unter diesem Link:

Kunsthaus am Schüberg Kunsthaus am Schüberg, Ammersbek bei HH
18.5. bis "Ende offen"

Strassen, Luxembourg (Skulpturen) Luxembourg
19.4. - 7.5. 2017

Noorus Gallery, Tartu, Estland (Juri Wedro) Tartu, Estland

Ausstellung mit S.Wywiorski in Krakau (Pl)

Krakau, Polen

Endveranstaltung "Dixi-Vitrine"

Dixi Show in der Galerie KDKunst, Wallhöfen und Pavel Schmidt(CH) in der Dixi-Vitrine

Galerie KDKunst, Wallhöfen